Polsterung: Präzision und handwerkliche Qualität

Polsterung ist unsere Domäne. Es ist ein Handwerk, das auf Können, Präzision und Liebe zum Detail basiert – von der Materialauswahl bis zur letzten Naht. Bei RIM ist sie ein Grundpfeiler der Qualität: damit ein Stuhl oder Sessel nicht nur gut aussieht, sondern auch dem täglichen Gebrauch langfristig standhält.

Im folgenden Interview erklärt Marek Kopeček, Leiter unserer Polsterei, wie Komfort „von innen heraus“ entsteht, welche Materialien für welche Sitztypen sinnvoll sind, warum wir manchmal „Nein“ sagen – und warum Nachhaltigkeit nicht nur eine Frage der Stoffe ist, sondern auch der Prozesse, der Produktlebensdauer und der Reparierbarkeit. Sorgfältige Abläufe, bewährte Methoden und ein erfahrenes Team – das ist die Basis jedes Produkts, das wir fertigen.

Welche Hauptmaterialien verwenden Sie für die Polsterung unserer Produkte?

Wir arbeiten überwiegend mit textilen Materialien unterschiedlichster Art. Bei Drehstühlen müssen die Bezüge glatt, pflegeleicht und langlebig sein. Bei Soft-Seating-Produkten stehen eher Ästhetik und Haptik im Vordergrund. Diese Materialien haben oft geringere Anforderungen an die Scheuerfestigkeit, dafür aber höhere Ansprüche an das Design. Erwähnen sollte ich auch spezielle waschbare Materialien: Bezüge, die gegen übliche Reinigungsmittel für medizinische Umgebungen resistent sind, Stoffe mit Silberanteil für antibakterielle Eigenschaften sowie nicht zuletzt vegane und natürliche Leder.

Wie stellen Sie Qualität und Präzision bei jedem einzelnen Produkt sicher?

Wir verfügen über ein strenges Einarbeitungs- und Schulungssystem, standardisierte Arbeitsabläufe und investieren kontinuierlich in die Erneuerung unseres Maschinenparks. Gemeinsam mit der Entwicklungsabteilung haben wir einen klar definierten Prozess für den Umgang mit Abweichungen. Wir führen interne Aufzeichnungen, um genaue Daten zu sichern und die Ursachen möglicher Qualitätsprobleme zu identifizieren.

Wie gehen Sie mit Kundenwünschen nach individuellen Anpassungen um?

Solche Anfragen werden immer häufiger. Kunden achten stärker auf den Gesamteindruck des Interieurs und möchten sich abheben. Wir bekommen die unterschiedlichsten Wünsche – und wenn es in unseren Möglichkeiten liegt, versuchen wir, sie umzusetzen. Nicht alles ist jedoch machbar. Wir müssen „Nein“ sagen, wenn ein Kunde auf einem ungeeigneten Bezugsmaterial besteht. Wir haben klare Qualitätsstandards, und wenn wir feststellen, dass das Ergebnis nicht zu 100 % unseren Ansprüchen entsprechen würde, müssen wir den Kunden darauf hinweisen. Es gibt aber auch Herausforderungen, die wir erfolgreich gemeistert haben – zum Beispiel den Winx-Stuhl mit Stickerei für ein Filmfestival, das Beziehen von Produkten mit kundeneigenem Leder, Arbeiten mit perforiertem Leder oder ein Projekt mit einem speziellen hochtemperaturbeständigen Klebstoff. Heute sind die häufigsten Sonderwünsche Farb­kombinationen, die wir praktisch täglich umsetzen.

Wie hat sich Ihre Polsterei in den letzten Jahren entwickelt?

Die dynamischsten Veränderungen fanden in den letzten zehn Jahren statt. Der größte Schritt war die Anschaffung eines Einlagen-Zuschneiders. In der Näherei haben wir die Maschinen vollständig erneuert und zusätzliche Spezialmaschinen angeschafft. Die Polsterei selbst ist in eine neu gebaute Halle umgezogen, inklusive eines neuen Klebebereichs. Bei diesem Umzug haben wir auch Polsterpressen wieder in Betrieb genommen, die lange stillstanden. Die Materialhandhabung und -verfügbarkeit im Lager hat sich durch Transportgestelle und einen neuen, ausschließlich für die Polsterei bestimmten Lagerbereich deutlich verbessert. Außerdem haben wir die Arbeitsrückmeldung modernisiert – mit Barcodes und Tablets statt handgeschriebener Arbeitszettel. Es gab viele Veränderungen, und wir arbeiten kontinuierlich daran, die bestmöglichen Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden zu schaffen.

Welche Trends in Design und Materialien beobachten Sie aktuell?

Ein großer Trend ist es, Arbeitsplätze und öffentliche Räume angenehmer und visuell attraktiver zu gestalten. Das erreicht man durch größere Produktvielfalt sowie eine breitere Auswahl an Farben und Materialien. Bei Arbeitsstühlen dominieren weiterhin Schwarz und Grau, bei Soft Seating ist man verspielter – denn die Farbe der Einrichtung beeinflusst, wie man sich in einem Besprechungsraum fühlt oder wie schnell die Zeit im Wartezimmer vergeht. Zunehmend gefragt sind auch Materialien mit „Geschichte“, zum Beispiel solche aus recycelten Materialien. Nachhaltigkeit und Ökologie rücken mehr denn je in den Vordergrund.

Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Materialien – welche Rolle spielen sie in Ihrer Arbeit?

Es ist klar, dass die Polsterei nicht in die Zeit rein natürlicher Materialien wie Massivholz, Metallfedern, Afrikagras, Rosshaar oder bei Premiumprodukten Kapok zurückkehren wird. Es ist gut, dass sich die Gesellschaft mit diesem Thema beschäftigt, denn seit den 1940er-Jahren wurden natürliche Materialien zunehmend durch industriell verarbeitete Kunststoffe ersetzt – zuerst in der Konstruktion, dann in Polstern und Federkernen und schließlich auch in den Bezugsstoffen. Das war nachvollziehbar und ging mit der Beschleunigung des Lebens und der Entwicklung neuer Materialien einher.

In den letzten Jahren ist das Interesse an Nachhaltigkeit jedoch deutlich gestiegen. Heute können wir Kunststoffe und Holzwerkstoffe mit Recyclinganteil einsetzen, umweltfreundlichere Klebstoffe wählen und Bezüge mit recycelten oder natürlichen Anteilen verwenden. Nachhaltigkeit betrifft aber nicht nur das Produkt. Sie erfordert einen systematischen Ansatz. Mülltrennung ist heute selbstverständlich. Der nächste Schritt ist die Minimierung von Abfällen: Unser CNC-Zuschnitt produziert in der Regel weniger Verschnitt als manuelles Zuschneiden. Auch Investitionen in Technik spielen eine Rolle – unsere modernen Nähmaschinen haben energieeffiziente Servomotoren und LED-Beleuchtung. Selbst das automatische Fadenabschneiden reduziert langfristig Abfall: Wir sind heute bei etwa 1 cm Faden, früher waren es mehrere Zentimeter.

In der industriellen Polsterei ist es jedoch nicht immer einfach, vollständig „grüne“ Prozesse umzusetzen. Dispersionsklebstoffe (auf Wasserbasis) oder lösemittelarme Klebstoffe sind nicht immer geeignet und erfüllen nicht immer die Anforderungen. Dispersionsklebstoffe haben längere Ablüftzeiten, und lösemittelarme Klebstoffe sind oft zähflüssiger und schwerer zu verarbeiten.

Nachhaltigkeit hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Es ist wichtig zu wissen, wie ein Material am Ende seines Lebenszyklus wiederverwendet oder entsorgt werden kann. Wir entwerfen einen Stuhl bereits mit dem Gedanken, ob er später neu bezogen werden kann und wie viel neues Material dafür nötig wäre. In der heutigen Konsumkultur ist es manchmal schwer, in Kategorien wie „reparieren statt ersetzen“ zu denken – aber auch diese Perspektive gehört zur Nachhaltigkeit. Nichts hält ewig, aber wir können viel von früheren Generationen lernen. Es ist gut, dass sich unser Unternehmen diesem Thema intensiv widmet, und ich bin überzeugt, dass wir uns in diesem Bereich weiter verbessern und weiterbilden werden.

Was bedeutet es für Sie, ein fertiges Produkt zu sehen, das durch Ihre Hände gegangen ist?

Hinter jedem Produkt sehe ich den gesamten Prozess. Ich sehe die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die daran beteiligt waren, ihr Können und ihre Handwerkskunst, die Präzision in den Details und den Gesamteindruck. Ich bin heute nicht mehr direkt in die Produktion eingebunden, die Produkte gehen also nicht mehr buchstäblich durch meine Hände. Aber es freut mich, wenn Kunden unsere Produkte mögen und wenn ich Lob für die verwendeten Materialien oder die Verarbeitung höre. Ein schönes Produkt ist nicht nur die Polsterung – es ist auch gutes Design, die richtigen Materialien und eine sorgfältige Produktionsvorbereitung. In diesem Sinne spiegelt jedes fertige Produkt das gesamte RIM-Team wider, denn wir alle haben unseren Anteil daran.

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